Weinwegweiser in Istrien

Wein ist in Istrien mehr als einfach nur ein Getränk. Er ist ein fester Bestandteil der Lebenskultur und seit Jahrhunderten fest im Bewusstsein der Menschen verankert: Brot für den Leib und Wein für die Seele. Wein prägt aber nicht nur die regional bäuerliche wie mediterrane Küche der Adria-Halbinsel, sondern auch die unvergleichliche Landschaft mit ihren endlosen Rebzeilen. 

Istrien, die größte Halbinsel an der Adria ist dank seiner geografischen Lage das ideale Tor zum Süden. Beste Voraussetzungen für den Wein setzen aber nicht nur die ständige Sonnenbestrahlung, sondern auch die besondere Bodenbeschaffenheit: die rote Erde entlang der Küste und die weiße Erde im Landesinneren. Die gesamte Rebfläche umfasst rund 6.151 Hektar. Mit 5.839 Hektar ist das westliche istrische Anbaugebiet (Poreč, Buje, Pula, Rovinj) das mit Abstand größte. Das inneristrische Anbaugebiet (Buzet, Pazin) verfügt über 209 und das östliche (Labin) über 103 Hektar. 

Innerhalb der istrischen Rebsorten ist der Malvasier schon seit hundert Jahren der berühmteste und meistgetrunkene Wein der Halbinsel. Je nach Weinbereitung und Alter variiert seine Farbe von strohgelb bis goldgelb, das Bouquet erinnert an Akazienblüten. Der Malvasier ist ein mittel bis stark alkoholischer Wein (von 11,5 bis 13,5 vol %) mit feinem Aroma und frischem Geschmack. Er kombiniert sich glänzend mit einer Vielzahl von Fischen und Meeresfrüchten.

Das Gegenstück des Malvasier ist der istrische Teran, der zusammen mit seiner Untersorte Refosk historische Bodenständigkeit repräsentiert. Rotweine werden in Istrien als schwarz bezeichnet, was - wie beim Teran - auf die intensive dunkelrote Farbe zurückzuführen ist. Er zeichnet sich durch ausgeprägten Geschmack, lebhafte Fruchtigkeit und intensiven Duft aus und passt gleichermaßen zu mit leichteren Gerichten wie auch zu Gulasch, Fleischragouts und sogar zu Wildgerichten. Für viele Kenner istrischer Weine nimmt der Muskateller oder genauer gesagt der Momjaner Muskateller wegen seiner goldgelben Farbe und dem intensiven Bouquet nach wilden Nelken und anderen feinen Aromen eine Sonderstellung ein. Angeblich soll er ein Aphrodisiakum sein. Der Muskateller wird sowohl trocken wie süß ausgebaut und passt dementsprechend entweder zu eleganten Gerichten oder zu Desserts. 

Mit die Weinstraßen Istriens möchten wir Sie einladen, unsere gut beschilderten Weinstraßen mit den vielen romantischen Reisezielen kennen zu lernen. Damit Sie Ihren Besuch umso besser genießen können, haben wir jene, vielfach mit Preisen ausgezeichneten Weinguter, die ein interessantes Weinsortiment entsprechender Qualität bieten, mit einem speziellen Symbol gekennzeichnet (Fahne). Mit einem anderen Zeichen weisen wir auf kleine Dorfweinstuben hin, die auf traditionelle Weise Wein erzeugen. Hier findet man zwar eine geringere Auswahl aber guten Wein zu günstigen Preisen. Bei Ihren Streifzügen kann es leicht passieren, dass Sie bei einer Wegkreuzung einmal eine falsche Abzweigung nehmen. Machen Sie Sich nichts daraus: Erstens passiert dies auch uns Einheimischen, und zweitens finden Sie gewiss in einem anderen Dorf als Ihrem ursprünglichen Ziel genauso lohnende Weingüter und gemütliche Lokale.

Liebe Gäste, melden sie den Besuch auf unserem Weingut bitte im Voraus telefonisch an.

Istrien damals

Wie andere mediterrane Regionen zeichnet sich auch Istrien durch eine lange historische Tradition im Weinbau aus.

Aufzeichnungen griechischer und anderer antiker Schriftsteller bestätigen, dass der Weinbau in dieser Gegend bereits zur Römerzeit (177 vor bis 476 nach Chr.) weit verbreitet war. Anhand einiger Aufzeichnungen vermutet man, dass schon früher, in vorrömischer Zeit, Reben gepflanzt wurden. In der Bucht von Rasa in der Nähe des Dorfes Rakalj befindet sich ein Gebiet, das Kalavojna heißt, was auf Griechisch „guter Wein“ bedeutet (kalos oinos). Sicher ist, dass griechische Seefahrer des Öfteren hier anlegten und sich mit „gutem Wein“ versorgten. 

Der römische Schriftsteller Plinius der Ältere (23 bis 79) erwähnt in seinem Werk „Historiarium mundi“ den Wein „vinum Pucinum“. Er ist des Lobes voll und behauptet gar, dass die Kaiserin Livia ihre trotz des hohen Alters von 82 Jahren überraschende Vitalität gerade diesem Wein. Plinius spricht dabei von einem istrischen Wein und man nimmt an es handle sich dabei um den auch heute noch hier wachsenden Teran.

Im Mittelalter wurden die istrischen Muskatweine regelmäßig als an königlichen Tafeln servierte Spezialitäten erwähnt. Die wirtschaftliche Bedeutung des Weinbaus variierte je nach historischer Epoche. In friedlichen Zeiten nahm der Wein aber immer den ihm gebührenden Platz im alltäglichen Leben ein.

Von nachhaltiger Bedeutung für das Weinland Istrien war der intensive Handel Venedigs mit dem Orient, dem Peloponnes, Zypern und Kreta, von wo allmählich die ersten Malvasierreben kamen. Später, unter dem österreichischen Kaiserreich, gewann der Wein in Istrien an Bedeutung: Mehr als 30 Tausend Hektar waren damals mit Reben bepflanzt. Damals wurde sie auch von der schrecklichen Reblausseuche heimgesucht, durch die riesige Rebflächen vernichtet wurden (Denis: Meinst Du das mit Philokseren-Seuche). Doch bald setzte man neue Rebstöcke und legte so die Grundlage für das heutige Weinland Istrien.

Und heute...

Der Weinanbau erlebt heute in Istrien einen Aufschwung und spielt nun eine andere geschichtliche Rolle. Die Zeiten haben sich geändert und so hat der Wein seine frühere wirtschaftliche Bedeutung verloren und ist heute untrennbar mit der istrischen Identität verflochten.

Doch entdecken wir nun das Geheimnis der Weine aus Istrien...

Heute ist der Malvasier die typischste und bedeutendste Sorte. Die weiße Rebe nimmt fast zwei Drittel der Weinbaufläche ein. Da Malvasier nur in Istrien angebaut wird, steht er für den istrischen Wein. In der Regel wird er trocken, ohne Restzucker ausgebaut und zeichnet sich durch seine strohgelbe Färbung sowie seine mittlere Struktur und Körper aus. Am besten schmeckt er im ersten Jahr nach der Lese.

Der Malvasier gehört zu den halbwürzigen Sorten mit einem kaum spürbaren Hauch nach Bittermandeln und einem fruchtig-blumigen Aroma, das meistens an Akazienblüten erinnert. Zuweilen, wenn die Weintrauben in besonders sonnigen Lagen reifen, ist der Wein strukturreicher und weist ein reifes, fruchtiges Aroma auf. In diesem Fall wird er meistens in kleinen Eichenfässern (Barriques) ausgebaut und gewinnt dadurch an Komplexität, Charakter und Lagerfähigkeit.

Das «Terroir», das sind die natürlichen Faktoren, die sich aus der besonderen Bodenbeschaffenheit eines jeden Weinlandes ergeben, sind für den Malvasier natürlich von wesentlicher Bedeutung. In Istrien findet man vor allem zwei unterschiedliche Bodenarten: zum einen die rote Erde (terrarossa) in den Küstengegenden, wo die Weine meist strukturreicher sind. Zum anderen Mergel im Landesinneren Istriens, wo man in der Regel Weine mit etwas delikaterem Aroma findet. 

Die typischste und wichtigste Rotweinsorte Istriens ist der Teran. Es handelt sich um eine sehr ungewöhnliche Traube, der der Wein seine kräftig rubinrote Farbe mit violettem Schimmer, sein frisches und spritziges Aroma (meist nach Waldbeeren) und seinen ausgeprägten Charakter verdankt. In der Regel ist der Säuregehalt höher und der Körper im Vergleich zu den üblichen internationalen Rotweinen weniger stark ausgeprägt. Diese nur beim ersten Schluck spürbare Disharmonie und seine vielfältigen Eigenheiten machen den Teran zu einem überaus interessanten Rotwein, der angesichts der zunehmenden Nachfrage nach typischen, autochthonen Erzeugnissen dem derzeitigen Trend entspricht. Mit jungem Teran wird eine Suppe der besonderen Art zubereitet, dabei handelt es sich um ein traditionelles Gericht mit geröstetem Brot in einem Krug Rotwein. Diese auch heute noch oft angebotene Kuriosität erinnert an die entbehrungsreichen früheren Zeiten, als diese Suppe oft die einzige Mahlzeit manch armen Bauers war.

Neben den beiden Hauptsorten Malvasier und Teran findet man in Istrien immer öfter Muskatweine, wie den Momjaner Muskateller und den Porecer Muskateller Rosé. Diese Weine eignen sich, besonders wenn sie einen hohen Restzuckergehalt aufweisen, als idealer Begleiter von Süßspeisen. Mit etwas Glück kann man auch rare Weine autochthoner Sorten, wie Borgonjer und Hrvatica, die beide durch ihr zartes Aroma und Körper bestechen, entdecken.

Vom üblichen europäischen Sortiment der Weißweine gedeihen in Istrien Chardonnay, Pinot blanc und Pinot gris sehr gut. Die Qualität dieser Weine wird immer besser, was auch durch zahlreiche internationale Auszeichnungen eindrucksvoll bestätigt wird. In der Regel lassen sie sich gut lagern, wobei in zunehmendem Maß der Ausbau in Barriques zum Einsatz kommt.

Von den europäischen Rotweinreben ist in Istrien der Merlot heimisch geworden, der immer öfter in den Weinbergen zu finden ist. Etwas seltener, aber auch im Aufwärtstrend, sind die hoch geschätzten Bordeauxsorten Cabernet Sauvignon und Cabernet franc.

Wie nur selten in einer Weinregion in Europa werden in Istrien sowohl edle Rot- als auch ausgezeichnete Weißweine erzeugt – die Adria-Halbinsel ist somit für Weinkenner ein besonders lohnendes Ziel.