Istriche Gastronomie

Vom Reichtum der einfachen Kochkunst

Im Unterscheid zu den Küstenstädten war das istrische Hinterland nicht so hoch entwickelt und auch die Gastronomie war nicht so vielseitig. Die Region war hauptsächlich von Bauern bewohnt und es herrschte eher Armut. Der Bauer baute nur für den Eigenbedarf an. Die Speisen wurden aus den zur Verfügung stehenden Erzeugnissen zubereitet, da man ja kein Geld hatte, um sich etwas anderes zu kaufen. Das Brot wurde aus einem Gemisch von Mais- und Gerstenmehl oder auch aus anderem Getreide nur einmal oder höchstens zweimal pro Woche im Holzofen mit offenem Kamin oder unter der Tonglocke gebacken. Weißbrot gab es nur sehr selten, meistens nur zu Ostern oder wenn jemand krank war.

Dasselbe galt auch für Fleisch. Wenn jemand erkrankte, bereitete man als Stärkung Juhu od kvartina zu (Suppe aus 1/4 kg Hühnerfleisch) oder Einbrennsuppe (aus Mehl und Wasser) mit geriebenem Schafskäse oder Quark. Frauen bekamen nach der Entbindung Nockerln (Kartoffelnockerln) mit Geflügelragout. Die landläufigen Gerichte waren: Skrob (Brei aus Mais oder Gerste) mit Milch, Zucker oder Wein; Maneštra (Eintopf aus Kartoffeln, Gerste und Bohnen) und Pellkartoffeln. Besonders reichhaltige Gerichte wurden an kirchlichen Feiertagen zubereitet oder an Tagen in denen außergewöhnlich schwere Feldarbeit geleistet wurde. An Weihnachten und Ostern gab es gewöhnlich ravioli (Teignudeln mit Käsefüllung) und Nockerl mit Geflügelragout. Mit Geflügelragout aß man auch Fuži (dünner Teig, quadratisch geschnitten und gerollt), die den Mähern aufs Feld gebracht wurde.

Einem Feiertag glich auch der Tag, an dem die Schweine geschlachtet wurden. Die Schwarten wurden gebraten und die Schweineknochen zu Suppe verkocht. Am Schlachttag aß man die Polenta (Maismehlbrei) mit Schweineinnereien. Es ist interessant, dass in vielen istrischen Dörfern bis zum heutigen Tage diese Polenta „polenta alla Veneziana“ genannt wird, was genug über ihren Ursprung besagt.